Welche politischen Fragen bewegen derzeit junge Menschen? Was erwarten sie von der Politik und konkret von der Kreispolitik?
Um dies herauszufinden und in einem offenen Dialog zu diskutieren hat Landrat Dr. Christoph Schnaudigel die Fraktionsvorsitzenden des Kreistags am 18.01.2016 in die Handelslehranstalt (HLA) in Bruchsal eingeladen. Die schulische Organisation des Projektes übernahmen der Fachschaftsleiter für Geschichte/Gemeinschaftskunde, OStR Jungclaus und OStR Rinck, der auch Mitglied des Kreistages ist und somit als Bindeglied zwischen dem Kollegium der HLA und dem Kreisrat fungierte.
Einige Wochen vor dem Projekttag hatten sich die über 100 Schülerinnen und Schüler der 12. Klassen der HLA mit dem Landkreis Karlsruhe, dem Kreistag und seinen Aufgaben auseinandergesetzt und Themenschwerpunkte festgelegt. Beherrschendes Thema war die Asyl- und Integrationspolitik, daneben stand auch die Thematik Mobilität / Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) auf der Agenda. Aufgeteilt in kleinere Gruppen hatten die Schülerinnen und Schüler ausreichend Zeit, sich bei den Vertretern des Kreistags über das aktuelle Geschehen und deren Einschätzung zu erkundigen. Landrat Dr. Christoph Schnaudigel, die Fraktionsvorsitzenden des Kreistags Ulli Hockenberger (CDU), Markus Rupp (SPD) und Christine Geiger (Bündnis 90/Die Grünen), Martin Büchner für die Freien Wähler, Prof. Dr. Jürgen Wacker für die FDP sowie die Bruchsaler Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick berichteten zunächst über die Situation im Landkreis und erläuterten Hintergründe. Ergänzend dazu stellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes Karlsruhe und der HLA, die sich jeden Tag mit den Themen „Asyl“ oder „Mobilität“ befassen, ihre Aufgaben und ihren Arbeitsalltag vor. Die jungen Menschen bekamen damit einen direkten Blick hinter die Kulissen und die Themen wurden so viel greifbarer.
Insbesondere im Bereich Asyl- und Integrationspolitik stellte sich heraus, dass sich die Schülerinnen und Schüler sehr dafür interessieren, jedoch kaum Kontakt zu Asylbewerbern haben. Aus den Gesprächen mit den Politikern entstanden Ideen, wie dies verbessert werden könnte, z. B. durch Besuche in den GU vor Ort, organisieren von gemeinsamen Aktivitäten, Patenschaften oder auch Begrüßungsveranstaltungen, wenn die Asylbewerber ankommen. In den lebhaften Diskussionen ging es unter anderem auch darum, warum es nur an den Beruflichen Schulen und nicht an den weiterführenden allgemeinen Schulen Deutschkurse für Asylbewerber gibt, da sie immens wichtig für die Integration seien und daher am besten verpflichtend sein sollten. Auch das Thema Sicherheit nahm angesichts der Ereignisse in Köln und Hamburg breiten Raum ein und zeigte, dass eine zeitnahe und sachliche Berichterstattung über die Medien für die jungen Menschen wichtig ist. Die Schülerschaft erwartet außerdem von der Politik, mehr in die innere Sicherheit zu investieren, um das Zusammenleben friedlich zu gestalten. Darüber hinaus war die einhellige Meinung, dass eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung wichtig sei, um Gerüchte und falsche Eindrücke zu unterbinden und damit insbesondere der rechten Szene keinen Raum für Stimmungsmache zu bieten.
Im Bereich Mobilität/ÖPNV forderten die Schülerinnen und Schülern eine verbesserte Kundenfreundlichkeit, Mindeststandards an Komfort und die Lösung des Ticketproblems bei verbundübergreifenden Fahrten. Konkret geht es dabei um die Schnittstelle zwischen KVV und VRN.
Die Veranstaltung an der HLA war die Fortsetzung der im Sommer 2014 an den Beruflichen Schulen Ettlingen begonnenen Veranstaltungsreihe „Was uns bewegt“, die unter der Federführung von Herrn Daniel Mühl und einigen Studenten der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl getragen wurde. Ziel der Veranstaltungen ist es junge Menschen an die Politik heranzuführen. Die Politiker und der Schulleiter der Handelslehranstalt, Herr OStD Greil, zeigten sich beeindruckt vom Engagement der Schülerinnen und Schüler. Durch die konkreten Ergebnisse und Forderungen haben die Politiker Ansatzpunkte bekommen, die sie in die Kreispolitik einfließen lassen können.
