Katholische Religion und Kunst: auf den Spuren des Menschenbildes in der Kunsthalle Karlsruhe

An einem windigen und frostigen Dienstag im Januar machte sich der Katholische Religionskurs der BK2/1+4 auf in die Staatliche Kunsthalle nach Karlsruhe um dort die Ausstellung „Ich bin hier! Von Rembrandt zum Selfie“ zu erkunden.
Während der Führung erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Frau Dr. Schmitt-Wischmann wie sich das Menschenbild vom 17. Jahrhundert bis heute hin entwickelt und verändert hat.
Bereits das erste Bild „Augenbetrüger-Stillleben“ von Samuel van Hoggstraten gab einen interessanten Einblick darüber, wie sich die Menschen im 17. Jahrhundert präsentierten. Der niederländische Maler und Schriftsteller stellt auf seinem Gemälde eine Pinnwand dar, an der 21 verschiedene Gegenstände befestigt sind. Darunter ein Perückenkamm, ein Läusekamm, eine Feder und eine goldene Ehrenmedaille, die er von Kaiser Ferdinand III in Wien geschenkt bekommen hat. Auf Grund vieler selbstreferentieller Andeutungen auf dem Gemälde spricht die Kunsthistorik hier von einem Selbstporträt.
Eines der Highlights war Rembrandts Selbstbildnis, auf dem er sich traurig und enttäuscht vom Leben darstellt, jedoch nicht, um sein Innerstes nach Außen zu kehren, sondern um möglichst schnell damit Geld zu verdienen. Denn Selbstbildnisse waren im 17. Jahrhundert gern erworbene Objekte.
Im Gegensatz zum traurigen Rembrandt stellt sich Anselm Feuerbach um 1851/ 52 in seinem „Jugendliches Selbstbildnis“ geheimnisvoll dar. Die Schülerinnen und Schüler erkannten blitzschnell, dass er dem Betrachter einen verführerischen Blick zuwirft und offensichtlich sehr von sich überzeugt ist. Das schlichte Leinenhemd hingegen steht in Kontrast zu den wohlhabenden Verhältnissen, denen er entstammt.
Beeindruckt hat die Schülerinnen und Schüler auch Vincenzo Campis Gemälde „Die Ricotta-Esser“, das um 1580 in Italien entstanden ist. Im Ricotta ist ein Totenkopf abgebildet, der auf das Vanitas-Motiv hindeutet. Trotz dieser eindeutigen Anspielung auf die Vergänglichkeit, ist diesem Bild die Lebensfreude nicht zu nehmen und die Marktfrau mit ihrem auslandend üppigen Dekolletée spielt auf die zur damaligen Zeit gängige Gelegenheitsprostitution an.
Daneben wurden weitere Bilder von Abraham van Beyeren, Edvard Munch, Ernst- Ludwig Kirchner, Alexis Gimou, Hyacinthe Rigaud in den Blick genommen, die sehr vereinsamte, düstere Momente bis hin zu lebensfrohen Selbstbildnisse zeigen. Den Abschluss des Besuches bildete ein in den 1970er Jahren aufgenommenes Schwarz-Weiß-Video von Marina Abramovic. In der circa 23-minütigen Aufnahme stellt sich die Künstlerin vor die Kamera und kämmt sich, gleichzeitig mit einer Bürste und einem Stahlkamm. Ihre Bewegungen werden immer schneller und eindringlicher, so dass es bis zur Selbstverletzung geht. Dabei spricht sie immer wieder die folgenden Sätze „art must be beautiful – artist must be beautiful“. Das Video wehrt sich gegen die Reduzierung der Frau auf Schönheit, indem das Frisieren als Ausdruck derer kritisiert wird.

Text + Bilder: Tanja Günter