Wie entstehen extremistische Einstellungen? Warum radikalisieren sich manche Jugendliche – und wie gelingt der Ausstieg? Mit diesen Fragen setzte sich am 15.07.2026 eine Veranstaltung an der Handelslehranstalt Bruchsal auseinander. Organisiert wurde der Projekttag im Rahmen der Demokratiebildung und des Engagements der Schule als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ durch die Fachschaft Geschichte und Gemeinschaftskunde unter der Federführung von Eileen Rapport.
Zu Gast war Axel Reitz, der viele Jahre zu den bekanntesten Akteuren der deutschen Neonazi-Szene gehörte. Bereits im Alter von 13 Jahren radikalisierte er sich und entwickelte sich später zu einem führenden Propagandisten der rechtsextremen Szene. Nach seinem Ausstieg engagiert er sich heute in der Extremismusprävention und Deradikalisierung und klärt an Schulen und Bildungseinrichtungen über Radikalisierungsprozesse und demokratische Gegenstrategien auf.
Im Mittelpunkt des Vortrags stand nicht die Vergangenheit als Selbstinszenierung, sondern die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Entscheidungen. Axel Reitz machte deutlich, dass er die Verantwortung für sein früheres Handeln selbst übernimmt und sich nicht als Opfer äußerer Umstände oder seines damaligen Umfelds versteht. Mit seiner Geschichte verfolgt er heute das Ziel, insbesondere junge Menschen für die Gefahren extremistischer Ideologien zu sensibilisieren und sie davor zu bewahren, ähnliche Fehler zu begehen.
Im anschließenden Gespräch nutzten die Schülerinnen und Schüler verschiedener Schularten die Gelegenheit, zahlreiche Fragen zu stellen. Diese bezogen sich auf die Person Axel Reitz, seinen Weg in die rechtsextreme Szene, seinen Ausstieg sowie auf Radikalisierungsprozesse, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und die Rolle sozialer Medien. Auch kritischen und unbequemen Fragen stellte sich Herr Reitz offen und beantwortete sie ausführlich. Der intensive Austausch zeigte das große Interesse der Schülerinnen und Schüler an den Herausforderungen, denen junge Menschen heute begegnen.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Radikalisierung häufig schleichend beginnt – etwa über soziale Medien, das persönliche Umfeld oder gezielte Desinformation. Gerade in einer Zeit, in der extremistische Inhalte online gezielt verbreitet werden und junge Menschen leicht erreicht werden können, ist Präventionsarbeit wichtiger denn je. Begegnungen wie diese stärken demokratische Werte, fördern kritisches Denken und unterstreichen den Anspruch der Handelslehranstalt Bruchsal, Demokratiebildung aktiv und nachhaltig zu gestalten.
Im Namen der Fachschaft GGK
StR Florian Of

