Religionskurs auf Exkursion 2011
Religionskurs der Jahrgangsstufe 1 macht Exkursion auf zwischenstaatliches Gelände
Große Augen machte die Schülergruppe der J1, als beim Einführungsvortrag am renommierten Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg gesagt wurde: “Sie befinden sich hier nicht mehr in der Bundesrepublik Deutschland, sondern auf zwischenstaatlichem Gebiet.”
Das EMBL ist ein Forschungsinstitut, das von 20 europäischen Mitgliedsstaaten und Australien finanziell getragen wird und in der molekularbiologischen Grundlagenforschung führend ist.
Doch warum besucht ein Religionskurs ein Institut, das Spitzenforschung in den Lebenswissenschaften betreibt? Die Schülerinnen und Schüler sollten Einblicke in die Art des naturwissenschaftlichen Arbeitens gewinnen. Forschungsarbeit und ihre Ergebnisse sind “Wirklichkeiten”, die uns heutzutage immer öfter im Alltag begegnen. Genau dies erfuhr unser Religionskurs in einem Vortrag mit dem Titel “Wir sind dann mal weg – Zellen auf Wanderschaft im Gewebe”. Ein junger Grundlagenforscher erläuterte, wie es kommt, dass bei der rasanten Entwicklung eines Zebrafischembryos die Zellen des rechten Auges nach rechts und die Zellen des linken Augens nach links wandern. Fokaladhäsion, Vinculin, Actinfasern und fluoreszenmarkierte Proteine ließen die Köpfe der Schüler rauchen – es war Zeit für eine kurze Kaffeepause!
Danach hieß es ran an die Mikropipetten und so erlebte der Religionskurs, dass ein Forscher nicht unbedingt immer mit bloßem Auge sieht, was er macht. Die Schülerinnen und Schüler lernten verschiedene Labormethoden, z.B. die Agarose-Gelelektrophorese, kennen und erfuhren, dass jede wissenschaftliche Methode einen kleinen Teil einer Wirklichkeit erschließen kann – aber auch ihre Grenzen hat.
Der dritte Teil der Exkursion ans EMBL bot ein weiteres Highlight: eine Führung durch das EMBL Tierhaus, in dem unter anderem Mäuse, Ratten, Kaninchen und afrikanische Krallenfrösche für Forschungszwecke gehalten werden.
Auf kritisches Nachfragen einiger besorgter Schüler erläuterte der Leiter des Tierhauses, dass die 4000 Mäuse – von denen jede einzelne ein genetisches Unikat ist – keine 5 Stunden in freier Widlbahn überleben würden. Daher auch der hohe technische Aufwand, um den Tieren eine artgerechte, an strengsten europäischen Tierschutzvorschriften orientierte Haltung zu ermöglichen. Und man konnte an ihrem seidigen Fell und den glänzenden Augen auch erkennen, dass sich die Tiere wohlfühlten.
Die Schülerinnen und Schüler hatten sich den anschließenden Mittagsimbiss im neuen EMBL Advanced Training Center – einem spektakulären Gebäude in Form einer DNA-Doppelhelix – redlich verdient. Nach einem herrlichen Ausblick von der Dachterrasse endete der Ausflug in eine ganz andere, fremde Wirklichkeit – und führte wieder in die Bundesrepublik Deutschland zurück.
Text: Yvonne Gebhardt


